Liebe Leserin, lieber Leser, 

Der Fachkräftemangel ist bereits seit vielen Jahren bekannt und resultiert nicht zuletzt daraus, dass man sich diesem Thema erst annimmt, wenn es bereits zu spät ist. Aber besser heute starten als gar nicht.

Nehmen wir uns einen Aspekt heraus, den Einsatz von Führungs- und Fachkräften im Rentenalter. Dieses Thema wird in der Wirtschaft kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite die Befürworter, die das Erfahrungswissen der älteren Generation für sehr wertvoll halten, auf der anderen Seite die Mahner, die unter dem Hinweis eines sich rasant verändernden, digitalisierten Wirtschaftsumfeldes den Senioren die erforderliche Flexibilität und Anpassungsfähigkeit absprechen. Wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Daher gilt es, das Thema differenzierter zu beleuchten, in welchen Fällen die betagte Workforce sinnvoll einsetzbar ist und in welchen Fällen weniger. Personalberatungen haben in den letzten Jahren folgende typische Einsatzmöglichkeiten für ältere Fach- und Führungskräfte herauskristallisiert:

  • Interimsmanagement, d.h. als Übergangslösung vor der Neubesetzung einer Position
  • Einsatz in Projekten als Know-How Lieferant (z.B. Einführung eines ERP-Systems)
  • Technologie-Transfer, z.B. zeitlich befristeter Einsatz im Ausland (Beispiel: Aufbau einer Produktion in China)
  • Coaching-Aufgaben zur Einarbeitung neuer Führungskräfte

Äußerst selten werden ältere Führungskräfte genutzt bei „modernen“ Themen wie Digitalisierung, Einführung agiler Strukturen oder Business Transformation. Hierbei wird wie oben erwähnt unterstellt, dass ältere Menschen weniger veränderungswillig und flexibel sind als jüngere. Dieses vorschnelle Urteil unterliegt einem kapitalen Denkfehler. Denn: Innovation und Erfahrungswissen sind die zwei Zutaten zur Sicherung des langfristigen Unternehmenserfolges.

Jedes Unternehmen hat eine Geschichte, eine Kultur und einen „Charakter“, die Basis des vergangenen Erfolges sind. Jeder Veränderungsprozess muss genau diese Faktoren würdigen und berücksichtigen, damit das Unternehmen erfolgreich einen neuen Weg einschlagen kann. Veränderung ist kein Selbstzweck, sondern das Mittel, auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein. Die Stärken des Unternehmens sind Basis für eine erfolgreiche Veränderung. Ältere Menschen können genau diese Erfahrung und das Wissen einbringen, um den erfolgreichen Brückenschlag von der Tradition in die Moderne zu ermöglichen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in „Praxishilfen für den Mittelstand“ von Claus Heitzer

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Lothar Grünewald

Lothar Grünewald

Managing Director - Grünewald Consulting GmbH

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