Liebe Leserin, lieber Leser,

auch wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt wieder sukzessive zu stabilisieren beginnt, können Arbeitgeber aktuell bei der Besetzung ihrer Schlüssel­positionen noch auf einen größeren Kandidaten­pool zugreifen. Nichtsdestotrotz der Wettbewerb um die Besten bleibt weiterhin im vollen Gange.

Vielen Unternehmen fällt es trotz „entspannterem“ Kandidatenmarkt weiterhin schwer die richtigen Kandidaten für sich zu gewinnen. Um die Gründe hierfür zu identifizieren, ist es wichtig den Entscheidungsprozess potentieller Kandidaten zu verstehen:

Zwei Hauptthemen sind potenziellen Mitarbeitern derzeitig besonders wichtig: die Arbeitsplatz-bzw.  Krisensicherheit und der Klimaschutz.

Insbesondere in Krisenzeiten ist die Jobsicherheit ein entscheidender Faktor bei der Arbeitgeber­wahl. Bestimmende Faktoren hierfür sind eine schlüssige Unternehmensstrategie sowie eine hohe Führungsqualität der Führungskräfte des Unternehmens.

Eine resiliente und konsistente Führung (s. Beitrag vom 08. Juli: „Mit Resilienz durch die Krise„) schafft nicht nur ein positives Arbeits- und Vertrauensklima und damit eine hohe Mitarbeiterbindung, sondern trägt auch zur Krisen- und Arbeitsplatzsicherheit des Unternehmens bei.

Apropos Führung, ein Chef, der sich aktiv und persönlich für Klimaschutz und Nachhaltigkeit einsetzt und dies auch vorlebt, ist für viele Kandidaten ein weiterer wichtiger Grund, sich für das Unterneh­men als Arbeitgeber zu entscheiden. Denn Klimaschutz ist nach wie vor ein aktuelles Thema, das nicht nur junge Berufseinsteiger, sondern Mitarbeiter aller Altersklassen bewegt.

Arbeitssuchende achten vermehrt auf die Werte eines Unternehmens, die v.a. in den sozialen Medien und auf der eigenen Website offenbart werden.

Kurz notiert: Über 60 % aller deutschen Unternehmen werden von ihren Mitarbeitern laut einer Studie, als sehr umweltbewusst beschrieben. Wer dieses positive Merkmal nicht aufweist hat es im Kampf um die Talente sehr schwer.

Bei der Frage, womit sich talentierte Kandidaten darüber hinaus locken lassen, stehen attraktive Benefits in der Liste weit oben. Interessant hierbei ist die Tatsache, dass materielle Benefits (wie ein schicker Dienstwagen) von immateriellen Benefits mehr und mehr den Rang abgelaufen bekom­men. So sind Firmen, die z.B. in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren sehr hoch im Kurs.

Ein ressourcenschonendes, gut durchdachtes Hygienekonzept (z.B. Desinfektionsspender an allen Eingängen) ist gerade in der heutigen Zeit attraktiv, während beispielsweise New Work-Konzepte in der Priorität aktuell etwas hinten anstehen. Zwar sind die richtige Balance von Privatleben und Arbeit – und die Sinnhaftigkeit von letzterem – immer noch hochrelevante Themen, aber COVID-19 hat den Blick auf diese Faktoren deutlich verändert.

Gerade das Homeoffice hat durch die mit Corona-bedingte „Zwangseinführung“ an Charme verloren, da die Einschränkungen der sozialen Kontakte viele Mitarbeiter stärker belastet hat, als es zu vermuten war. Es bleibt fraglich, ob künftig die Anzahl an Homeoffice-Tagen ein ausschlaggebendes Argument für die Jobentscheidung sein wird.

Zusammenfassend: Unternehmen werden dann als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen, wenn sie ihre Stärken offen vermarkten und z.B. die eigenen Initiativen zum Klima- und Gesundheitsschutz in den Vordergrund stellen. Gleiches gilt für eine klare Unternehmensstrategie und eine sichere und resiliente Führungskultur, die sich in einem positiven Unternehmensklima widerspiegelt.

Cedric Schütz

Cedric Schütz

Consultant - Grünewald Consulting GmbH

 

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